Psychotherapie
bei Zahnarztangst

3. Psychotherapie bei Zahnarztangst

Eine ausgeprägte Zahnbehandlungsangst, die Betroffene daran hindert, selbst dringend notwendige Zahnarzttermine wahrzunehmen, ist eine klare Indikation für eine symptomorientierte Psychotherapie – das sehen nicht nur Therapeuten, sondern auch Krankenversicherer so (und finanzieren die Behandlung bei einem approbierten Therapeuten meist bereitwillig).

Welche Therapieform für Sie die beste ist, werden Sie gemeinsam mit dem Therapeuten Ihrer Wahl entscheiden. Grundsätzlich stehen Behandlungen aus dem Spektrum der Verhaltenstherapie einerseits und der tiefenpsychologischen Psychotherapie andererseits zur Verfügung. Meist wird die ergebnisorientierte und relativ schnelle Verhaltenstherapie die Methode der Wahl sein – insbesondere, wenn es Ihnen, abgesehen von Ihrer Zahnarztangst, weitgehend gut geht. Leiden Sie zusätzlich an einer Depression, oder ist die Zahnbehandlungsphobie nur eine Facette einer komplexeren Angststörung, die Sie in vielen Lebensbereichen beeinträchtigt, kann ein Psychologe auch empfehlen, den Ursachen Ihrer Probleme im Rahmen einer tiefenpsychologischen Psychotherapie auf den Grund zu gehen.

3.1 Verhaltenstherapie bei Zahnarztangst

In der Verhaltenstherapie geht es darum, dysfunktionale Handlungs- und Denkmuster bewusst zu machen und zu korrigieren. Das Verständnis ihrer tieferen Ursachen spielt dabei keine – oder jedenfalls nur eine untergeordnete – Rolle.

Die Verhaltens- und Erlebensweisen sollen als erlernt begriffen und aktiv abgelegt, also durch Erlernen neuer, angemessenerer Denk- und Handlungsweisen ersetzt werden. Im Rahmen einer Verhaltenstherapie führen Sie Gespräche, in denen Sie Ihre Ängste und die ihnen zugrundelegenden Überzeugungen und Ideen beschreiben und analysieren, erlernen Entspannungs- und Bewältigungsstrategien und werden von Ihrem Therapeuten in der dem Angstabbau dienenden Konfrontation mit der angstauslösenden Situation angeleitet.

Das therapeutische Gespräch: Identifizieren und Analysieren von Kognitionen, Erarbeiten hilfreicher Gedanken.

Insbesondere in der kognitiven Verhaltenstherapie geht es um das Erkennen und Bewerten sogenannter Kognitionen: vorgefasster Urteile, Denkmuster und Sichtweisen, die die Angst begünstigen. Kognitionen sind die ausgefahrenen Bahnen, auf denen sich unsere Gedanken bewegen, wenn wir Situationen bewerten. Kognitionen hat jeder – natürlich können wir bei der schnellen Beurteilung einer Situation nicht immer wieder mit einem ganz weißen gedanklichen Blatt anfangen. Kognitionen können aber zu einer verzerrten Wahrnehmung der Welt führen: Dann sind diese sich automatisch abspulenden Gedankengänge die Schienen, an deren Ende die Panikattacke liegt.

Typische Kognitionen im Falle von Zahnbehandlungsangst sind etwa[1]: „Eine Zahnbehandlung ist furchtbar schmerzhaft,“ „Ich kann keine Schmerzen ertragen,“ „Ich kann das Geräusch des Bohrers nicht ertragen“ oder auch „Zahnärzte werden mich wegen meiner schlechten Zähne verachten.“ Im therapeutischen Gespräch werden Sie die für Sie wichtigen Kognitionen auf ihren Realitätsgehalt prüfen, Gegenbeispiele und Gründe dafür finden, warum es auch ganz anders sein könnte – und neue Kognitionen erarbeiten und „ausprobieren“: sagen wir, „Moderne Anästhetika wirken sehr zuverlässig,“ „Das Geräusch des Bohrers ist unangenehm, aber aushaltbar“ oder auch “Zahnärzte verdienen ihr Geld damit, die Zähne ihrer Patienten zu reparieren – ich bin ein wahrer Glücksfall für den Zahnarzt, für den ich mich entscheiden werde.“

Meist werden Sie im Gespräch auch die Ursprünge Ihrer verselbständigten negativen Denkmuster ausloten: Haben Sie schlechte Erfahrungen mit Zahnärzten gemacht? Oder haben Ihre Eltern Ihnen in Ihrer Kindheit negative Urteile über Zahnärzte vermittelt? Gemeinsam mit dem Therapeuten werden Sie versuchen, diese Erfahrungen einzuordnen und eventuell neu zu bewerten.

Der Hauptfokus der Verhaltenstherapie liegt jedoch auf dem Heute und Morgen, darauf, sich erreichbare Ziele zu setzen und Ressourcen gegen die Angst zu mobilisieren.

3.1.1 Erlernen von Entspannungstechniken

Häufig genutzte Entspannungsstrategien sind die Progressive Muskelentspannung und Autogenes Training. Bei der progressiven Muskelentspannung trainieren Sie die bewusst wahrgenommene An- und Entspannung einzelner Muskelpartien. Dabei geht es darum, über die Verbesserung der Körperwahrnehmung und das Erlernen der aktiven Kontrolle von Muskelspannung und körperlichen Unruhesymptomen wie Zittern oder Herzklopfen letztlich auch die Kontrolle der Angst zu ermöglichen. Beim Autogenen Training erlernen Sie Techniken der Autosuggestion, mit deren Hilfe sich aus der Kontrolle geratene Körperfunktionen (Muskelspannung, Atem, Blutdruck) normalisieren lassen und ein Zustand der körperlichen und psychischen Entspanntheit herbeiführen lässt.

Hilfreich bei der Wahrnehmung körperlicher Prozesse im Zusammenhang mit der Angst kann die von einigen Therapeuten als Privatleistung angebotene Biofeedback-Technik sein. Wer weit aus dem Gleichgewicht geraten ist, weiß oft nicht so genau, wie sich Entspannung eigentlich anfühlt. Hier kann die moderne Technik – in Form von Sensoren, die Blutdruck, Herzrate, Hauttemperatur oder Hautwiderstand messen – wertvolle Unterstützung geben: Das Biofeedback-Gerät zeigt Ihnen direkt an, ob eine Entspannungsübung ihren Zweck erfüllt. Das hilft Ihnen dabei, Entspannungstechniken wie die Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training wirklich zielführend anzuwenden.

3.1.2 Konfrontation der Angst, Desensibilisierung

Die Konfrontation erfolgt im Allgemeinen dosiert – sie kann damit beginnen, dass Sie sich lediglich gedanklich ins Wartezimmer der Zahnarztpraxis versetzen, sie kann mit dem Ansehen eines Videos von einer Zahnbehandlung fortgesetzt werden und schließlich auf die Konfrontation mit den Reizen einer richtigen Zahnarztpraxis hinarbeiten. Technik-affine Therapeuten setzen in der Angsttherapie manchmal auch schon Virtual Reality-Brillen für Konfrontationsübungen ein. Ziel ist es jeweils, gestärkt durch die bereits erlernten Bewältigungsstrategien und die Unterstützung des Therapeuten, die aufkeimenden Panikgefühle auszuhalten und zu spüren, wie sie nach einiger Zeit nachlassen und einem ruhigeren Erleben der Situation Platz machen. Angestrebt wird die sogenannte Desensibilisierung: das Nachlassen der Angst bei mehrfacher Wiederholung der Konfrontation.[1]

3.1.3 Wie lange dauert die Verhaltenstherapie bei Zahnarztangst?

Eine Verhaltenstherapie, die Sie umfassend und langfristig begleitet und bei der sich Gespräche und konkrete Übungen abwechseln, umfasst typischerweise 40 Stunden. Findet der Therapeut überzeugende Argumente für eine Therapieverlängerung, finanzieren die Krankenkassen bis zu 80 Stunden. Bei einer reinen Zahnarztangst wird eine so lange Therapie jedoch nur in Ausnahmefällen notwendig sein.

Das Modell der verhaltenstherapeutischen Kurzintervention hat sich in Studien als potentiell ebenfalls zielführende Alternative erwiesen: Diese meist in Zusammenarbeit von Psychotherapeuten und Zahnärzten durchgeführten Kurzprogramme konnten vielen Angstpatienten bereits in drei bis fünf Sitzungen wirkungsvoll helfen: Die Studien berichten, dass um die 70 Prozent der Teilnehmer im Anschluss an die Kurzintervention ihre Zähne behandeln lassen konnten und sich damit auf einem guten Weg befanden, auch weiterhin eine zufriedenstellende Mundgesundheit aufrechtzuerhalten.[2][3]

3.2 Verhaltenstherapeutische Angebote von Zahnärzten für Patienten mit Zahnbehandlungsangst

Verhaltenstherapeutisch inspirierte Programme werden auch von einigen auf Angstpatienten spezialisierten Zahnärzten angeboten. Gewissermaßen unter dem Motto: „Wir wissen am besten, was unseren Patienten hilft und zahnmedizinisch Sinn macht“ wollen diese zupackenden Praktiker Angstpatienten dazu verhelfen, notwendige Behandlungen auch ohne monatelange Psychotherapie erfolgreich hinter sich zu bringen. Damit beweisen sie Realitätssinn: Ein schwer kariöses Gebiss kann und sollte nicht warten, bis eine möglicherweise langwierige Psychotherapie zu Ende gebracht ist. Rasches Handeln liegt im dringenden Interesse der Gesundheit von Angstpatienten. Zusätzlich können sich diese Zahnärzte auf die erwähnten Studien berufen, denen zufolge in Zusammenarbeit von Psychotherapeuten und Zahnärzten durchgeführte sogenannte verhaltenstherapeutische Kurzinterventionen für Angstpatienten durchaus ähnlich zielführend sein können wie eine längere Verhaltenstherapie.

Aber Achtung: Zur psychologisch adäquaten Betreuung von Angstpatienten gehört deutlich mehr als nur die von vielen Zahnärzten offerierte Vollnarkose. Ob sie ihr Angebot Anti-Angst-Training oder Aubacke-Therapie nennen – Zahnärzte sollten Angstpatienten folgende Angebote machen:

  • ein Erstgesprächstermin in einem neutralen Nicht-Behandlungsraum der Zahnarztpraxis, bei dem die Ängste des Patienten ausführlich thematisiert werden
  • die Möglichkeit, dem Behandlungszimmer zunächst einen kurzen Besuch abzustatten
  • Untersuchungen und Zahnbehandlungen, bei denen ganz besondere Rücksicht auf Ängste und Kontrollwünsche der Patienten genommen wird, beispielsweise auf Wunsch zunächst keine Sonde zum Einsatz kommt (das ist der spitze, gebogene Haken, mit dem Zahnärzte die Oberfläche der Zähne abtasten, um weiche Kariesstellen aufzuspüren) und die Untersuchung auf ein Handzeichen des Patienten hin jederzeit unterbrochen werden kann
  • einen weiteren Gesprächstermin, bei dem Untersuchungsergebnisse und therapeutische Optionen für die kommende Behandlungsphase ausführlich besprochen werden
  • eine professionelle Zahnreinigung als erste Belastungsprobe
  • Recall-System für regelmäßige Prophylaxe- und Kontrolltermine nach abgeschlossener Zahnsanierung: Sie haben die wichtige Chance, erneut aufkeimende Ängste zu besprechen, eventuelle Zahngesundheitsprobleme werden im Frühstadium adressiert und es kommt gar nicht erst zu einem Rückfall in das frühere Angst- und Vermeidungsverhalten

Sind die Patienten motiviert, sich den Herausforderungen der Gebisssanierung zu stellen, können auf Zahnbehandlungsangst spezialisierte Zahnärzte sie dabei vielfältig unterstützen: durch angstlösende Medikamente, Hypnose, schonende Röntgen- und Injektionstechniken, durch den Patientenbedürfnissen angepasste moderne Anästhesiemethoden (hierhin gehören Dämmerschlaf und Vollnarkose) und ganz besonders durch klare, sensible Kommunikation: Angstpatienten wollen und sollten auch möglichst genau wissen, was in ihrem Mund passiert, und ein Höchstmaß an Kontrolle darüber behalten.

3.3 Hypnose bei Zahnarztangst

Hier sind die von Zahnärzten selbst anwendeten Hypnosetechniken zur Entspannung im Zahnarztstuhl zu differenzieren von Hypnoseverfahren, die – oft in Kombination mit verhaltenstherapeutischen Elementen – von spezialisierten Hypnotherapeuten (Psychotherapeuten, Psychologen oder Heilpraktikern mit entsprechender Zusatzausbildung) angeboten werden. Erstere besprechen wir im Zusammenhang mit den zahnärztlichen Möglichkeiten, Angstpatienten die Behandlung zu erleichtern. Hier geht es zunächst um die psychotherapeutische Hypnose, die räumlich und zeitlich von der zahnärztlichen Behandlung getrennt stattfindet.

Im Rahmen einer Hypnosebehandlung wird Sie der Therapeut in Trance, einen Zustand tiefer körperlichen und geistiger Entspannung, versetzen. Im Trancezustand ist Ihr Unterbewusstes zugänglicher als sonst – und damit auch empfänglich für die sogenannten Suggestionen: einfache, überzeugend formulierte Botschaften, die die Kraft haben, auch über den Trancezustand hinaus weiterzuwirken. Hypnotherapeuten sprechen vom „Pflanzen von Heilimpulsen“. Eine Hypnotherapie bei Zahnarztangst umfasst meist drei Hypnosesitzungen. Manche Therapeuten bieten sogar an, ihre Klienten zum Zahnarzttermin zu begleiten und ihnen dort unmittelbar zur Seite zu stehen.

[1] Negative Cognitions of Dental Phobics: Reliability and Validity of the Dental Cognitions Questionnaire. A. de Jong et al. Behavioral Research and Therapy 33 (1995), S.507
Online: https://www.researchgate.net/publication/241847365_Dental_Cognitions_Questionnaire

[2] Klinischer Erfolg einer verhaltenstherapeutischen Kurzintervention zur Behandlung von Zahnbehandlungsphobie. H.-P.Jöhren et al. Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift 64:6 (2009), S. 377
Online: http://www.dres-hesse.de/files/653/upload/Zahnbehandlungsphobie.pdf

[3] Ein Fünf-Sitzungsprogramm zur Behandlung von Zahnbehandlungsangst. A.Wannemueller et al. Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin 36:2 (2015), S. 177
Online: http://www.kli.psy.ruhr-uni-bochum.de/klipsy/public/margraf%20Journals%20with%20Peer-Review/Wannemueller%20et%20al%202015.pdf

Ärzte für Angstpatienten 

in München & Zürich

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Dr. med. dent. Martin Desmyttère MSc, MSc

Facharzt für Zahnheilkunde

München

Dr. Desmyttère

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med. dent. MSc.
Ilyas Gabriel

Master of Science in der allgemeinen Zahnmedizin

Zürich

med. dent. Gabriel

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Dr. med. dent. Rasco Brietze, MSc., MSc., MSc.

Zahnarzt

Zürich

Dr. Brietze